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In etwas ungewohnter Konstellation fanden sich am Samstag, den 18. Februar zehn Einsatzkräfte der Wasserwacht Ortsgruppe Haßfurt und sieben Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Haßfurt im Schulungsraum der Haßfurter Wehr ein. Grund hierfür war eine in Kooperation der beiden Hilfsorganisationen organisierte „AED-Rezertifizierung“. Neben den Ausbildungsinhalten stand auch das gegenseitige Kennenlernen im Mittelpunkt.

Manch ein Altgedienter aus den Reihen der Feuerwehr oder Wasserwacht kann sich bestimmt an die Zeiten erinnern, in denen man sich auch in der Kreisstadt noch gegenseitig eher abfällig als „Brandpatschn“ und „Pfüzensanis“ titulierte. Während dieses Konkurrenzdenken mancherorts wohl bis heute weiterbesteht, setzt man in Haßfurt und Umgebung stattdessen seit vielen Jahren auf kameradschaftliche Kooperation. Neuestes Beispiel für die organisationsübergreifende Kameradschaft der Hilfskräfte ist die gemeinsame Sanitätsfortbildung von Wasserwacht und Feuerwehr Haßfurt, die am vergangenen Samstag stattfand. Unter Leitung von Ausbilder Sebastian Jäger (Wasserwacht) frischten die Sanitäter der beiden Hilfsorganisationen ihr Wissen zur Reanimation mit Einsatz eines Frühdefibrillators und aus der Sanitätsausbildung im Allgemeinen auf.

Schwerpunkt der Schulung war die Herzlungenwiederbelebung (HLW). Anstelle der aus dem Erste-Hilfe-Kurs bekannten Methode mit einem Helfer wurde die so genannten Zwei-Helfer-Variante geübt. Beide umfassen den ständigen Wechsel zwischen 30 Herzdruckmassagen und zwei Beatmungen. Im Gegensatz zu den Ersthelfern wird anstatt der Mund-zu-Mund/Nase-Beatmung jedoch ein Beatmungsbeutel, sowie komprimierter Sauerstoff eingesetzt. Ein weiteres zusätzliches Hilfsmittel zur Reanimation, dessen Bedienung geübt wurde, ist der Automatische externe Defibrillator (AED). Diese Geräte können durch die gezielte Abgabe von Stromstößen die Chance auf eine erfolgreiche Wiederbelebung signifikant erhöhen. AEDs werden zum einen an öffentlichen Plätzen zur Nutzung durch Ersthelfer vorgehalten, zum anderen aber auch von den Hilfsorganisationen eingesetzt. Auch bei der Feuerwehr Haßfurt ist die Anschaffung eines solchen lebensrettenden Gerätes in diesem Jahr geplant. Im Rahmen der Schulung wurde die für Hilfsorganisationen nötige jährliche Zertifizierung zur Bedienung des Gerätes durchgeführt. (Laien dürfen und können AEDs auch ohne Einweisung einsetzen).

Neben der HLW wurden auch weitere Inhalte der Sanitätsausbildung wiederholt. Darunter die Erkennung verschiedener Krankheits- und Verletzungsmuster anhand ihrer Symptome, sowie entsprechend einzuleitende Maßnahmen. Die Ausbildung der Sanitäter reicht von der Versorgung einer kleinen Schnittwunde mit einem Heftpflaster bis hin zur Behandlung von lebensgefährlichen Störungen des Bewusstseins, der Atmung und des Kreislaufs. Auch auf organisationsspezifische Einsatzszenarios wurde eingegangen: während bei der Wasserwacht häufiger mit Unterkühlungs- und Ertrinkungsnotfällen zu rechnen ist, treten im Bereich der Feuerwehr verstärkt Verbrennungen und Rauchgasvergiftungen auf.

Abseits der eigentlichen Ausbildungsinhalte, gab der gemeinsame Kurs den Teilnehmern die Gelegenheit, sich auch einmal außerhalb der gemeinsamen Einsätze kennenzulernen. So konnten in entspannter Atmosphäre die unterschiedlichen Sichtweisen, Kompetenzen, Bedürfnisse, aber auch Einsatzgrenzen der jeweiligen Hilfsorganisation erörtert werden. Durch die bessere Kenntnis „der anderen Seite“ kann so die bisher schon gute Zusammenarbeit in Zukunft noch verbessert werden.

Die Feuerwehr Haßfurt dankt der Wasserwacht herzlich für die sehr gute Zusammenarbeit, die sich am Beispiel dieser gemeinsamen Fortbildung einmal mehr gezeigt hat.

 

Hintergrund: Die Freiwillige Feuerwehr Haßfurt verfügt über circa 15 ausgebildete Sanitäter, die im Notfall die Zeit bis zur Übergabe an den Rettungsdienst mittels einer qualifizierten Erstversorgung überbrücken können. Zwar gehört die Versorgung von Verletzten nicht zum Alltagsgeschäft der Feuerwehr – speziell in der Kreisstadt ist aufgrund der hier ansässigen Rettungswache der Rettungsdienst mit seinen hauptamtlichen Einsatzkräften meist vor den ehrenamtlich besetzten Einheiten der Feuerwehr an der Einsatzstelle. Die Verletztenversorgung obliegt dann natürlich den Experten, während sich die Feuerwehr auf ihre anderen Aufgaben wie die Brandbekämpfung und die technische Hilfeleistung konzentrieren kann. Trotzdem kommt es auch bei der FF Haßfurt regelmäßig dazu, dass Verletzte von Feuerwehrkräften versorgt werden müssen. Etwa wenn der Rettungsdienst bereits bei anderen Einsätzen gebunden ist, oder die Zahl der Verletzten seine Kapazitäten in der Anfangsphase eines Einsatzes übersteigt. Ein Beispiel für einen solchen Massenanfall von Verletzten war die Massenkarambolage im vergangenen April auf der BAB 70 zwischen Haßfurt und Knetzgau mit zehn Verletzen. Hier waren die ersten Kräfte des Rettungsdienstes bei der Versorgung der Schwerverletzten gebunden, weshalb sich Kräfte der Feuerwehren mehrerer Leichtverletzter annahmen.

 

Die Bilder zeigen:

  1. Demonstration Herzdruckmassage
  2. Üben der Reanimation ohne Defibrillator
  3. Hintergrundinformationen zur Funktion des AED
  4. Einsatz des AED
  5. Gemeinsame Reanimation durch Wasserwacht (links) und Feuerwehr (rechts)
  6. Thema Verbrennungen

 

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