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Am 31.01.2017 konnte die Freiwillige Feuerwehr Haßfurt ihr neues Wechselladerfahrzeug (WLF) in Dienst stellen. Das Fahrzeug stellt zusammen mit dem Abrollbehälter (AB) Mulde nur den ersten Meilenstein innerhalb eines umfangreichen Konzepts dar, das über die nächsten Jahre schrittweise umgesetzt wird. Mithilfe dieses Wechselladerkonzepts sollen die Flexibilität und die Einsatzmöglichkeiten im Brand- und Katastrophenschutz der Stadt Haßfurt signifikant gesteigert werden – und das zu deutlich wirtschaftlicheren Konditionen, als dies mit herkömmlichen Fahrzeugen oder Anhängern möglich wäre.

 

Das Wechselladerkonzept

Den Anfang nahm das im Landkreis Haßberge einzigartige Projekt in einem ersten Entwurf des Konzepts im Frühjahr 2015. In ersten Gesprächen mit der Stadt Haßfurt wurde deutlich, dass auch diese dem neuen Konzept generell aufgeschlossen gegenüberstand. So wurde das Konzept weiter ausgearbeitet und nach der Genehmigung durch den Stadtrat im Oktober 2015 in seiner finalen Form auch der Regierung von Unterfranken präsentiert. Auch dort zeigte man sich von dem schlüssigen Gesamtkonzept überzeugt. Aufgrund der hohen Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit des Konzepts wurde dieses durch die Regierung von Unterfranken genehmigt und in Aussicht gestellt, dass die nach den Zuwendungsrichtlinien zuwendungsfähigen zu beschaffenden Trägerfahrzeuge und Abrollbehälter aus Landesmitteln finanziell gefördert werden könnten. Speziell die Vereinigung der beiden Bereiche des abwehrenden Brandschutzes und des Katastrophenschutzes in dem Konzept wurde lobend hervorgehoben.

Das finale Konzept, dass bis zum Jahr 2021 schrittweise umgesetzt werden soll, umfasst insgesamt zwei Wechselladerfahrzeuge (WLF), zwölf Abrollbehälter (ABs) und den Anbau einer Fahrzeughalle mit vier weiteren Stellplätzen am Gerätehaus der FF Haßfurt. Nach dem ersten WLF mit Kran und dem AB Mulde sollen noch in diesem Jahr gleich fünf ABs folgen. Im Mai 2017 soll ein AB-Wasser ausgeliefert werden, der das Tanklöschfahrzeug ersetzen wird. Ebenfalls im ersten Halbjahr soll ein mobiler Hochwassersteg für die Anbindung des Stadtteils Augsfeld bei Hochwasser in Dienst gestellt werden. Die Elemente dieses Hochwasserstegs werden auf vier ABs in Form von Hochmulden verlastet und im Haßfurter Bauhof stationiert.

Für das Jahr 2018 sind ein AB Strom/Licht für die FF Haßfurt als Ersatz für den Lichtmastanhänger und als Notstromversorgung für das Feuerwehrgerätehaus geplant. Des Weiteren ist ein AB- Netzersatzanlage für das Stadtwerk Haßfurt angedacht. Mit diesen beiden ABs soll im Katastrophenfall, beziehungsweise generell bei Stromausfällen die Stromversorgung für einzelne wichtige öffentliche Gebäude/Einrichtungen aufrechterhalten werden.

Im nächsten großen Schritt im Jahr 2019 soll sowohl die Erweiterung der Haßfurter Gerätehalle abgeschlossen sein, als auch ein zweites WLF (ohne Kran) und zwei weitere ABs ausgeliefert werden. Das zweite WLF ist nötig, um die Flexibilität und die Ausfallsicherheit des Gesamtsystems zu gewährleisten. So können zwei ABs zeitgleich zum Einsatz gebracht werden und selbst bei Ausfall eines Fahrzeugs fallen damit nicht automatisch alle ABs mit aus. Die beiden ABs für das Jahr 2019 sind ein AB zur Aufnahme des Mehrzweckboots und ein AB-ABUPF. Der AB-ABUPF stellt einen mobilen Raum für Aufenthalt, Betreuung, Unterkunft, Personal oder Führung dar.

Im Jahr 2020 soll ein AB-Sonderlöschmittel folgen, welcher verschiedene spezielle Löschmittel zur Bekämpfung von Kunststoff-, Flüssigkeits- und Metallbränden beinhaltet.

Als vorläufig letzter AB ist nach aktuellen Planungen ein AB-Hochwasser/Unwetter für das Jahr 2021 vorgesehen. In diesem sollen unter anderem acht Rollwägen (jeweils ausgestattet mit Stromerzeuger, div. Hochleistungs-Tauchpumpen und weiteren Gerätschaften zur Hochwasserbekämpfung), sowie acht Wassersauger transportiert werden. So können mit diesem Abrollbehälter zwischen 8 – 16 Einsatzstellen zeitgleich bei Überschwemmungen/Überflutungen abgearbeitet werden. Die Gesamtpumpleistung beträgt ca. 30.000 l/min. Zudem sind noch Gerätschäften für die Bewältigung von Sturmschäden verlastet.

Auch über das Jahr 2021 hinaus ermöglicht das dann umgesetzte Konzept die kostengünstige Erweiterung der Ausstattung um weitere Spezialkomponenten in Form von zusätzlichen ABs. Dies wird wohl bei der Umsetzung eines baulichen Hochwasserschutzes mit mobilen Elementen bereits der Fall sein.

Am 05.10.2015 war es schließlich soweit und Haßfurter Stadtrat stimmte über die Umsetzung dieses finalen Konzepts ab. Als vorausschauen und zukunftsweisend bezeichnete Kommandant Martin Volpert die Entscheidung des Stadtrats, als dieser mit nur zwei Gegenstimmen die Umsetzung des Wechselladerkonzepts der Feuerwehr Haßfurt beschloss. Seitdem sind unzählige Stunden in die Planung und Ausschreibung des ersten WLFs und der ersten ABs geflossen. Während die Kameraden mit der Beschaffung von „normalen“ Feuerwehrfahrzeugen bereits viel Erfahrung haben, stellte die Beschaffung dieser für die Feuerwehren des gesamten Landkreises gänzlich neuen Technologie eine größere Herausforderung dar. Ein Team von 10 Personen informierte sich bei Feuerwehren, die bereits Erfahrungen mit Wechselladerkonzepten haben, sowie verschiedenen Herstellern, um sich einen genauen Überblick über den Markt und das Thema zu verschaffen. Mittlerweile konnte so die Beschaffung des ersten WLF und des ersten AB erfolgreich abgeschlossen werden. Parallel dazu laufen schon die Planungen und teilweise bereits die Ausschreibungen für die nächsten ABs und das zweite WLF.

 

Das erste Fahrzeug

Den Anfang des Konzepts macht das am 10.12.2016 ausgelieferte und am 31.01.2017 in Dienst gestellte WLF. Es verfügt neben einer Einrichtung zur Aufnahme von ABs auch über einen Kran. Mit diesen 30 Metertonnen starken Kran ist es beispielsweise möglich das 2,5 t schwere Mehrzweckboot bei einer Ausladung von bis zu 10 Metern zu heben und abzulassen. Für diesen Zweck wurde der Kran mit einer Seilwinde mit einer Hubkraft von 2,5 t ausgestattet. Damit kann das Boot zukünftig auch abseits von Slip-Stellen zu Wasser gelassen werden. Generell stellt schon der nun verfügbare Kran an sich eine deutliche Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten der FF Haßfurt dar. Bisher musste generell auf Kräne von Bergeunternehmen zurückgegriffen werden, welche auch im Notfall nicht kurzfristig zur Verfügung stehen. Nun verfügt die Feuerwehr selbst über ein schnell verfügbares Hebegerät, das unter anderem auch bei der Personenrettung einen wertvollen Zeitvorteil verschaffen wird. Der Kran hebt im Nahbereich des Fahrzeuges 6 bis 10 Tonnen und bei einer Ausladung von 16,7 Metern immerhin noch 1,4 Tonnen. An der Kranspitze kann je nach Bedarf eines der drei mitbeschafften hydraulischen Zusatzgeräte (eine Palettengabel, ein Heu- und Forstgreifer oder ein Grabgreifer) angebracht werden. Das WLF wurde auf einem dreiachsigen Fahrgestell des Herstellers MAN mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 26 Tonnen mit einer Motorleistung von 400 PS aufgebaut. Das Fahrgestell verfügt zudem über für bessere Fahreigenschaften abseits der geteerten Straßen über einen zuschaltbaren, hydraulischen Vorderachsantrieb und zur Erhöhung der Wendigkeit über eine gelenkte und liftbare Hinterachse. Der Aufbau von Wechselladervorrichtung und Kran wurde von der Firma Grampp Fahrzeugbau in Nürnberg realisiert, der feuerwehrtechnische Ausbau (Sondersignalanlage, Funk, etc.) von der Firma Compoint in Forchheim. Das Fahrzeug wird von zwei Einsatzkräften besetzt und trägt den Funkrufnamen „Florian Haßfurt 36/1“. Von den Gesamtkosten des Fahrzeugs von 336.000 € kamen 83.000 € als Zuschuss vom Land. Weitere Infos zum Fahrzeug gibt es auf der entsprechenden Seite. Weitere Infos zur Beladung des Fahrzeugs gibt's auf der entsprechenden Seite.

Als erster AB wurde zusammen mit dem WLF der AB „Mulde“ in Dienst gestellt. Die Mulde fasst ein Volumen von ca. 14 m³ und dient der Aufnahme und dem Abtransport von verschiedenen Materialien, wie zum Beispiel Brandschutt oder Sandsäcken. Da die Mulde wasserdicht ist, können im abgesattelten Zustand auch Flüssigkeiten wie auslaufende Betriebsstoffe oder Löschwasser aufgenommen werden. Die Beschaffungskosten des ABs beliefen sich auf 16.500 €. Mit diesem relativ simplen AB übernimmt das Fahrzeug vorläufig noch keine zeitkritischen Aufgaben. Damit besteht in den kommenden Monaten zunächst die Möglichkeit für die Einsatzkräfte, sich mit der neuen Technik vertraut zu machen, bevor das Fahrzeug mit den kommenden ABs in immer mehr Arbeitsbereiche der Feuerwehr integriert werden wird.

 

Wie geht es weiter?

Als nächster Schritt des Wechselladerkonzepts erfolgt im Frühjahr 2017 die Indienststellung des bereits ausgelieferten AB Mulde, sowie eines AB Wasser. Dieser AB ersetzt das Tanklöschfahrzeug TLF 24/50, Baujahr 1991 und übernimmt in Verbindung mit dem WLF dessen Funktion. Mit dem Wassertank von 9.000 Litern bietet der AB Wasser einen Puffer, mit welchem Löschmaßnahmen bis zum Aufbau der Wasserversorgung durchgeführt werden können. Speziell in abgelegenen Bereichen wie Wäldern, Aussiedlerhöfen und Autobahnen wird dieser Puffer benötigt, da dort die nächsten Wasserentnahmestellen meist weiter entfernt sind. Auf dem ersten WLF können auf Grund des Eigengewichtes des Krans dann ca. 5.000 Liter Wasser und mit dem zweiten WLF ohne Kran die vollen 9.000 Liter zur Einsatzstelle transportiert werden. Am abgesattelten Zustand kann der AB-Wasser als Puffer immer voll befüllt werden.

 

Fazit/Zusammenfassung

Die Stadt Haßfurt und die Feuerwehr Haßfurt können durch die Einführung und Umsetzung des Wechselladerkonzeptes zukünftige, kurzfristig und sehr flexibel auf Anforderungen des Brand- und Katastrophenschutzes reagieren. Zudem kann dieses System jederzeit problemlos und wirtschaftlich erweitert werden.

 

Danke an Licha Media für die Bereitstellung der Bilder. Ein Video zum WLF gibt es hier: LINK

 

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